Mietwagen in USA und Kanada
Der Mietwagen ist in den USA und Kanada meist das ganze Reisemittel. Hier steht, was in den Mietbedingungen und bei den Mautbetreibern tatsächlich nachzulesen ist – ohne Buchung, ohne Empfehlung, mit der Quelle an jedem Punkt.
Zuletzt geprüft am 22.09.2026
Wer fahren darf
Ein Mindestalter schreibt in den USA kaum ein Bundesstaat vor – die Vermieter tun es. Und wer unter 25 ist, zahlt fast überall einen Zuschlag pro Tag.
- Üblich sind 20 oder 21 Jahre: Hertz nennt für die meisten US-Stationen 20 Jahre, für Alabama und Nebraska 19.
- New York ist der Sonderfall mit einem Gesetz: Ein Vermieter darf niemandem ab 18 allein wegen des Alters absagen, solange Versicherungsschutz für diese Altersgruppe zu haben ist – weitergeben darf er nur die tatsächlichen Mehrkosten der Versicherung (General Business Law § 391-g). In der Praxis heißt das trotzdem teuer: Avis nennt für New York 84 $ pro Tag für 18- bis 20-Jährige und 35 $ für 21- bis 24-Jährige.
- In Michigan vermieten die großen Anbieter ebenfalls ab 18 (Avis: 41 $ pro Tag für 18–20, 28 $ für 21–24). Der zugehörige Gesetzestext war nicht abrufbar – belegt ist das nur durch die Mietbedingungen selbst.
- Zusatzfahrer kosten bei Avis und Budget in den meisten Staaten 13 $ pro Tag, bei Enterprise, Alamo und National 15 $. Ehe- und Lebenspartner sind kostenfrei, wenn sie Alter und Führerschein erfüllen (Enterprise, Alamo, National, Budget; Avis nennt zusätzlich Kolleginnen und Kollegen auf Dienstreise).
- In Kalifornien steht das im Gesetz: Für Ehepartner, Kinder, Mündel, Geschwister, Eltern und Großeltern sowie Arbeitgeber und Kollegen darf kein Zusatzfahrer-Entgelt erhoben werden (Civil Code § 1939.19 Abs. d, Fassung gültig ab 1.1.2026). Altersbedingte Zuschläge bleiben erlaubt.
- In New York ist die Zusatzfahrergebühr gedeckelt: höchstens 5 $ je Fahrer und Miettag, ab 30.6.2028 höchstens 3 $ (General Business Law § 396-z Abs. 10 d). Der Ehepartner gilt dort kraft Gesetzes als berechtigter Fahrer.
Quellen: NY Senate: GBS § 391-g (Mindestalter) · NY Senate: GBS § 396-z (Zusatzfahrer) · California Civil Code §§ 1939.01–1939.39 · Avis: Age Requirements · Avis: Additional Driver · Hertz: Age Restrictions · Enterprise: Additional Driver
Haftpflicht: die Pflichtsummen sind niedrig
Im Mietpreis steckt nur die gesetzliche Mindestdeckung des jeweiligen Staates. Die ist nach europäischen Maßstäben sehr niedrig – ein ernster Unfall übersteigt sie leicht, und den Rest schuldet der Fahrer.
- Kalifornien (seit 1.1.2025): 30.000 $ je verletzter Person, 60.000 $ je Unfall, 15.000 $ Sachschaden – vorher waren es 15.000 / 30.000 / 5.000 $.
- Texas: 30.000 $ je Person, 60.000 $ je Unfall, 25.000 $ Sachschaden (Transportation Code § 601.072, seit 1.1.2011).
- New York: 25.000 $ je verletzter Person (50.000 $ im Todesfall), 50.000 $ bei mehreren Verletzten (100.000 $ im Todesfall), 10.000 $ Sachschaden.
- Florida ist ein No-Fault-Staat: Pflicht sind 10.000 $ eigene Personenschaden-Deckung (PIP) und 10.000 $ Sachschadenhaftpflicht – eine Personenschaden-Haftpflicht gegenüber Dritten gehört dort nicht zur Pflichtausstattung (Florida Statutes 627.736 und 324.022).
- In Kanada liegen die Summen höher: In Ontario müssen alle Fahrzeuge mit mindestens 200.000 CAD Haftpflicht versichert sein, in British Columbia enthält die Basisversicherung der ICBC ebenfalls 200.000 CAD.
- Daraus folgt der eine Punkt, an dem sich Sparen selten lohnt: eine erhöhte Haftpflicht (im Mietvertrag „SLI“, „LIS“ oder „ALI“ genannt). Sie ist das Gegenstück zur europäischen Haftpflicht – nicht der Kaskoschutz für das Mietfahrzeug.
Quellen: California DMV: Insurance Requirements · California Dept. of Insurance: Änderungen 2025 · Texas Transportation Code § 601.072 · NYS DMV: Insurance Requirements · Florida Statutes 627.736 (PIP) · Florida Statutes 324.022 (PDL) · Ontario: Register and insure a vehicle · ICBC: Basic insurance
CDW, LDW und die Kaution
Was in Europa „Vollkasko“ heißt, ist in Nordamerika etwas anderes: ein Haftungsverzicht des Vermieters, keine Versicherung.
- Avis schreibt in den US-Mietbedingungen ausdrücklich: „LDW and PDW are not insurance“ – der Verzicht berührt Ansprüche Dritter gegen dich also nicht. Enterprise formuliert den Damage Waiver ebenso als vertraglichen Verzicht, ausdrücklich nicht als Versicherung.
- Der Verzicht ist freiwillig: „Loss Damage Waiver (LDW) is not insurance and not mandatory“ (Avis).
- Statt einer Selbstbeteiligung arbeiten die US-Bedingungen mit Ausschlüssen: Der Verzicht entfällt unter anderem bei Alkohol oder Drogen am Steuer, bei Rennen, bei einem nicht eingetragenen Fahrer, bei Fahrten auf unbefestigten Straßen, beim Abschleppen und wenn kein Unfall- oder Diebstahlbericht erstattet wird (Avis).
- Ein bezifferter Restselbstbehalt steht amtlich nur für Kanada: Dort kann trotz LDW ein „non-waivable amount“ bleiben, laut Avis derzeit höchstens 5.000 CAD, ausgewiesen im Mietvertrag.
- Kaution: Der Vermieter darf auf der Kreditkarte die geschätzten Mietkosten plus den an der Station ausgehängten Kautionsbetrag sperren (Avis). Enterprise bestätigt nur, dass eine Kaution verlangt wird und ihre Höhe je Station verschieden ist – feste Beträge nennt keine der Bedingungen.
- Für die Höhe der Selbstbeteiligung in den USA und für Kautionsbeträge in Dollar gibt es keine belastbare Quelle – die Zahlen, die im Netz kursieren, stehen in keinen Mietbedingungen. Frag vor Ort danach und lass sie dir im Vertrag zeigen.
Quellen: Avis: Rental Terms and Conditions · Avis: Loss Damage Waiver · Enterprise: Car Rental Insurance · Enterprise: Deposit · Budget: Rental Terms
Einwegmiete
Abholen in Las Vegas, abgeben in San Francisco: Das ist der Normalfall einer Rundreise – und es kostet fast immer extra.
- Die Rückgabe an einem anderen Ort ist zustimmungspflichtig. Avis behält sich ausdrücklich vor, sie zu verweigern oder andere Tarife und Zusatzgebühren anzuwenden – wer unterwegs umplant, muss vor der vereinbarten Rückgabezeit anrufen.
- Die Gebühr heißt „drop charge“ oder „inter-city fee“ und fällt einmalig zusätzlich zum Mietpreis an. Ihre Höhe hängt von Abhol- und Rückgabeort und von der Jahreszeit ab; sie wird bei der Buchung ausgewiesen und bei der Abholung bezahlt (Alamo).
- Zwischen zwei Flughafenstationen fällt üblicherweise keine Drop Charge an (National). Auch der reine Mietpreis kann für eine Einwegstrecke höher liegen als für dieselbe Zeit mit Rückgabe am Abholort (Alamo).
- Selbst eine Rückgabe innerhalb derselben Stadt an einer anderen Station kann eine Drop Charge, eine Kilometerpauschale oder einen höheren Tarif auslösen (Alamo).
- Feste Beträge nennen die Bedingungen nicht. Zahlen aus Vergleichsseiten stehen hier bewusst nicht – maßgeblich ist der Betrag, den die Buchung ausweist.
Quellen: Avis: Rental Terms and Conditions · Alamo: One-Way Policy · National: Drop Charge
Tanken und Führerschein
Zwei Kleinigkeiten, die vor Ort überraschen: An manchen Zapfsäulen darf man nicht selbst tanken – und ob der deutsche Führerschein allein reicht, entscheidet nicht Washington, sondern der Bundesstaat bzw. die Provinz.
- New Jersey: Benzin darf nur ein Tankwart abgeben; selbst zu tanken ist untersagt (N.J.S.A. 34:3A-6). Ausgenommen sind unter anderem Diesel, Boots- und Flugzeugbetankung – die verbreitete Aussage „in New Jersey darf man gar nicht selbst tanken“ ist also zu pauschal. Motorradfahrende müssen währenddessen absteigen.
- Oregon hat 2023 gelockert, aber nicht überall gleich: In 20 ländlichen Countys darf jederzeit an jeder Säule selbst getankt werden, in den 16 übrigen (darunter Multnomah mit Portland, Lane, Deschutes, Jackson) höchstens an der Hälfte der Zapfsäulen; die andere Hälfte bleibt bedient. Der Preis ist derselbe, Motorräder dürfen überall selbst tanken, und wo Personal da ist, muss Menschen mit Behinderung geholfen werden.
- Ein Selbstbedienungsverbot in weiteren Bundesstaaten ließ sich amtlich nicht belegen – belegt sind nur New Jersey und Oregon.
- Führerschein USA: Es gibt keine bundesweite Regel, die Staaten entscheiden. New York sagt ausdrücklich, dass man mit einem gültigen ausländischen Führerschein fahren darf und einen internationalen nicht braucht („but it is helpful“). Das Auswärtige Amt weist zugleich darauf hin, dass in einigen Bundesstaaten der internationale Führerschein Pflicht ist – zusammen mit dem nationalen. Praktisch heißt das: beide mitnehmen, er kostet wenig und ist nur eine Übersetzung.
- Führerschein Kanada: In Ontario genügt der heimische Führerschein bis zu drei Monaten, darüber hinaus ist ein internationaler Führerschein nötig – und den muss man vor der Einreise haben, in Ontario kann man ihn nicht beantragen. British Columbia nennt sechs Monate, Alberta bis zu einem Jahr (bei nicht-englischem Führerschein wird der internationale dringend empfohlen).
Quellen: NJ Dept. of Labor: Gasoline Act · Oregon State Fire Marshal: Self-Serve Fueling · NYS DMV: Drivers from other countries · Ontario: Drive in Ontario as a visitor · ICBC: Tourists · Alberta: Non-Alberta licences · Auswärtiges Amt: USA · Auswärtiges Amt: Kanada
Maut
Die großen Mautstrecken sind bargeldlos. Wer das nicht weiß, fährt durch – und bekommt die Rechnung Monate später über den Vermieter, mit dessen Aufschlag.
- Florida: An den elektronischen Mautstellen wird kein Bargeld angenommen; ohne Transponder wird per Kennzeichenfoto abgerechnet („TOLL-BY-PLATE“, 2,50 $ Verwaltungsgebühr je Rechnung). Wichtig: „The TOLL-BY-PLATE payment option is not available for customers in rental cars“ – die Rechnung geht an den Halter, also an den Vermieter.
- Kalifornien: An der Golden Gate Bridge wird ebenfalls kein Bargeld mehr kassiert, gezahlt wird nur südwärts Richtung San Francisco. Für Mietwagen gibt es drei Wege: das Mautprogramm des Vermieters, der eigene FasTrak-Transponder oder ein Short-Term License Plate Account – nutzbar bis 30 Tage vor der Fahrt oder noch 48 Stunden danach.
- New York: Der Thruway ist vollständig bargeldlos; ohne E-ZPass kommt die Rechnung 30 bis 45 Tage nach der Fahrt an den Halter. Unbezahlte Rechnungen kosten 5 $ Säumnisgebühr, danach 50 $ je Violation Notice.
- Pennsylvania: Die Turnpike stellte 2020 auf bargeldlos um. E-ZPass-Kunden zahlen bis zu 50 % weniger als bei Toll By Plate. Für Mietwagen gilt ausdrücklich: Die Rechnung geht an den Halter, also an den Vermieter – man kann den Mietwagen aber im eigenen E-ZPass-Konto mit Start- und Endzeit eintragen.
- Ontario, Highway 407: keine Mauthäuschen, keine Barzahlung. Ohne Transponder wird eine Camera Charge je Fahrt berechnet – für Pkw 5,30 CAD (Tarif ab 1.1.2026), dazu eine Kontogebühr. Beim Mietwagen rechnet 407 ETR mit dem Vermieter ab; dessen Rechnung kann „a few months after travelling“ kommen, mit eigenen Gebühren obendrauf.
- Praktisch heißt das: Vor der Abholung nach dem Mautprogramm des Vermieters fragen – und danach, ob man sich anmelden oder abmelden muss. Die meisten Programme kosten eine Tagesgebühr, auch an Tagen ohne Maut.
Quellen: Florida’s Turnpike: TOLL-BY-PLATE · Florida’s Turnpike: Rental Vehicles · Bay Area FasTrak: Rental Vehicles · Golden Gate Bridge: Tolls & Payment · NYS Thruway: Tolls by Mail · PA Turnpike: Rental Vehicles · 407 ETR: Rental Car · 407 ETR: Rate Chart Light Vehicles
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